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Die Vier-Tage-Woche: Flexibilität oder stressige Verdichtung?


Die Idee, eine verkürzte Arbeitswoche mit vier Arbeitstagen einzuführen, klingt verlockend – ein langes Wochenende und mehr Freizeit sind attraktive Versprechen. Doch steckt hinter diesem Arbeitszeitmodell wirklich nur die Aussicht auf mehr Flexibilität und Freiraum? Oder birgt die Vier-Tage-Woche das Risiko, dass das übliche Arbeitspensum von fünf Tagen in die verbleibenden vier Tage gequetscht wird? Die Ausgabe 8/2023 von "Arbeitsschutz und Mitbestimmung" widmet sich diesem Thema und beleuchtet die verschiedenen Aspekte dieses Arbeitszeitmodells.

Die Vier-Tage-Woche ist ein vielseitiges Arbeitszeitkonzept, das in drei verschiedenen Varianten umgesetzt werden kann:

  1. Vier Tage arbeiten bei gleichbleibender Wochenarbeitszeit

  2. Vier Tage arbeiten bei reduzierter Wochenarbeitszeit und Lohn

  3. Vier Tage arbeiten bei reduzierter Wochenarbeitszeit und gleichbleibendem Lohn

Allerdings stellt sich die Frage, ob alle drei Modelle gleichermaßen praxistauglich sind. Diese Einschätzung hängt eng mit der Anzahl der Wochenstunden zusammen. Denn sobald eine bestimmte Schwelle überschritten wird, kann die Reduzierung der Arbeitstage nicht mehr als Entlastung empfunden werden. Stattdessen droht eine Verdichtung der Arbeitszeit, die zu Stress führen kann.

Ein entscheidender Faktor bei der Umsetzung der Vier-Tage-Woche ist die Einhaltung aller Vorschriften des Arbeitszeitgesetzes (ArbZG). Besonders relevant ist hierbei § 3 ArbZG, der die Höchstarbeitszeit pro Tag regelt. Grundsätzlich darf diese acht Stunden nicht überschreiten. Allerdings geht das Arbeitszeitgesetz von einer Sechs-Tage-Woche aus, was einer maximalen Arbeitszeit von 48 Wochenstunden entspricht (6 Tage x 8 Stunden = 48 Stunden). Wenn die Arbeitszeit auf weniger als sechs Arbeitstage pro Woche verteilt wird, darf zwar mehr als acht, jedoch höchstens zehn Stunden pro Tag gearbeitet werden.

In Bezug auf die Vier-Tage-Woche ergeben sich daraus zwei wichtige Schlussfolgerungen:

  1. Bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von über 40 Stunden ist eine Vier-Tage-Woche rechtlich nicht erlaubt.

  2. Bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von maximal 40 Stunden ist eine Vier-Tage-Woche grundsätzlich möglich.

Es gibt jedoch Ausnahmen. Schwangere und stillende Frauen dürfen laut § 4 Mutterschutzgesetz nicht mehr als achteinhalb Stunden pro Tag arbeiten. Jugendliche, gemäß § 8 Jugendarbeitsschutzgesetz, dürfen täglich nicht mehr als acht Stunden arbeiten.

Des Weiteren gilt bei einer Vier-Tage-Woche mit einer 40-Stunden-Woche, dass keinerlei Überstunden gemacht werden dürfen. Da an jedem der vier Arbeitstage maximal zehn Stunden gearbeitet werden dürfen, ist es nicht möglich, an einem dieser Tage Überstunden anzuhäufen. Dies wirft die Frage auf, ob dies in der Praxis realistisch umsetzbar ist.

In Betracht gezogen werden könnte daher, dass bei einer Vier-Tage-Woche nicht nur die Anzahl der Arbeitstage, sondern auch die wöchentliche Arbeitszeit reduziert werden sollte – insbesondere bei einer 40-Stunden-Woche. Bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von 36 Stunden wiederum ergeben sich andere Überlegungen.

Die Einführung einer Vier-Tage-Woche kann zweifellos mehr Flexibilität und Freiraum für Arbeitnehmer bedeuten. Doch sollte dabei immer bedacht werden, dass die Umsetzung im Einklang mit gesetzlichen Vorschriften und individuellen Bedürfnissen erfolgt. Letztendlich muss das Arbeitszeitmodell zu den Anforderungen des Unternehmens und den Wünschen der Arbeitnehmer passen, um tatsächlich zu einer positiven Arbeitskultur beizutragen.

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