Fristlose Kündigung wegen unterschlagener Trinkgelder


Behält ein Arbeitnehmer Trinkgelder für sich, die er in eine gemeinsame Kasse zur Verteilung an alle Mitarbeiter weitergeben müsste, begeht er dadurch eine schwere Verletzung seiner arbeitsvertraglichen Pflichten. Der Arbeitgeber kann deshalb fristlos kündigen – so das Arbeitsgericht Siegburg.


Darum geht es

Der Arbeitnehmer war bei seiner Arbeitgeberin seit sieben Jahren als Kfz-Technikmeister beschäftigt. Im Betrieb wurden größere Trinkgeldbeträge vereinnahmt, wenn Schrotthändler entsorgtes Material abholten und dies durch Zahlung in die Trinkgeldkasse vergüteten.

Am 14.01.2022 übergab ihm ein Schrotthändler einen Betrag von 235 € für die Trinkgeldkasse. Dieser legte davon 70 € in die Kasse und behielt 165 €. Als die Arbeitgeberin davon erfuhr, kündigte sie das Arbeitsverhältnis mit Schreiben vom 28.01.2022 fristlos.

Hiergegen erhob er Kündigungsschutzklage.

Das sagt das Gericht

Das Arbeitsgericht Siegburg wies die Klage ab. Die fristlose Kündigung ist nach Auffassung der Kammer gerechtfertigt. Der wichtige Kündigungsgrund liege darin, dass der Kläger zu Unrecht 165 € für sich einbehalten und nicht in die Trinkgeldkasse abgeführt und somit seinen Kollegen vorenthalten habe. Dies stelle eine ganz erhebliche Pflichtverletzung dar.

Die Einlassungen des Klägers im Prozess, er habe die 165 Euro für den Verkauf einer Metallwerkbank erhalten, glaubte die Kammer nicht. Der Kläger habe weder den Typ der vermeintlich verkauften Werkbank benennen noch dem Gericht sagen können, wie schwer die Werkbank ungefähr gewesen sei.

Das Gericht wertete dies und weitere Angaben des Klägers, noch andere Gegenstände verkauft zu haben, als Schutzbehauptungen.

Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig. Gegen das Urteil kann Berufung beim Landesarbeitsgericht Köln eingelegt werden.


Quelle:

ArbG Siegburg (14.07.2022)

Aktenzeichen 5 Ca 413/22

ArbG Siegburg, Pressemitteilung 5/2022 vom 2.8.2022


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