Hitzefrei im Betrieb?


Schlechte Isolation und fehlende Klimaanlagen, in vielen Büros wird im Sommer auch reine Schreibtischarbeit zu einer schweißtreibenden Angelegenheit. Welche Temperaturen sind zumutbar und welche Maßnahmen muss der Arbeitgeber ergreifen?Von Simon


Arbeitgeber verantwortlich für gesundes Raumklima

Nach den Bestimmungen des Arbeitsschutzgesetzes ist der Arbeitgeber für die Gesundheit seiner Beschäftigten verantwortlich. Dazu gehört auch die präventive Abwehr von Gesundheitsgefahren. Bei diesen Maßnahmen hat er den Stand der Technik, Arbeitsmedizin und Hygiene sowie sonstige gesicherte arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse zu berücksichtigen. Hierzu hat er eine Gefährdungsanalyse durchzuführen


Das Arbeitsschutzrecht schreibt keine allgemeine Höchsttemperatur fest, ab der ein Hitzefrei gelten würde. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin stellt hingegen in ihren regelmäßig aktualisierten Technischen Regeln für Arbeitsstätten zur Raumtemperatur (ASR A3.5) einen abgestuften Maßnahmenkatalog vor. Danach soll die Lufttemperatur in Arbeitsräumen 26 °C nicht überschreiten. Bei einer Außenlufttemperatur über 26 °C werden beispielhafte Maßnahme empfohlen, etwa die Lüftung in den Morgenstunden oder Arbeitszeitverlagerung in die kühleren Morgenstunden.


Wenn viel trinken nicht mehr ausreicht

Ab einer Überschreitung der Lufttemperatur im Raum von 30 °C werden Maßnahmen nicht bloß empfohlen. Vielmehr müssen wirksame Vorkehrungen ergriffen werden. Zu nennen wäre beispielsweise der Einsatz von Ventilatoren oder die Festlegung von Entwärmungsphasen. Aber einer Überschreitung von 35 °C ist der Raum als Arbeitsraum grundsätzlich nicht geeignet. Eine Tätigkeit kommt nur ausnahmsweise durch besondere technische Mittel, etwa Luftduschen, oder Hitzeschutzkleidung in Betracht.

Diese Technischen Regeln drücken arbeitswissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse aus, stellen aber selbst keine Rechtsnormen dar. Ihre praktische Bedeutung erhalten die Bestimmungen dadurch, dass bei ihrer Einhaltung vermutet wird, dass der Arbeitgeber arbeitsschutzrechtliche Anforderungen erfüllt.


Exitstrategie für den Extremfall

Unterlässt es der Arbeitgeber, wirksame Maßnahmen vorzunehmen, wird diskutiert, ob der Beschäftigte im Wege einer Leistungsverweigerung auf die Durchsetzung von Schutzvorkehrungen drängen kann. Hierbei sind jedoch komplexe Einzelfallabwägungen vorzunehmen. Im Zweifel ist daher von einer Leistungsverweigerung abzusehen, um sich nicht den Vorwurf einer Arbeitspflichtverletzung auszusetzen.

Auch wenn demnach im Ergebnis kein Anspruch auf Hitzefrei besteht: Sollten Schwindelgefühle, Übelkeit oder sonstigen Anzeichen einer Überhitzung auftreten sind diese unbedingt beim Arzt abzuchecken, sodass im Einzelfall eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ausgestellt werden kann. Zudem folgt aus § 9 Arbeitsschutzgesetz, dass der Beschäftigte bei unmittelbarer erheblicher Gesundheitsgefahr sich durch sofortiges Verlassen des Arbeitsplatzes in Sicherheit bringen kann.

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