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Plötzliche Wertschätzung im Einzelhandel: Ein Skandal nach monatelangen Streiks


Seit fast sechs Monaten dauern die massiven Streiks im Einzelhandel an. Die Kolleg*innen kämpfen unermüdlich für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen. Doch während dieser Zeit haben sie nicht nur gegen die Arbeitgeber, sondern auch gegen eine spürbare Wertschätzung ihrer Arbeit gekämpft. Und nun, nachdem die Arbeitgeber monatelang keine akzeptablen Angebote gemacht haben, möchten sie plötzlich die "Wertschätzung" erfunden haben. Ein Skandal, der die Geduld der Beschäftigten überstrapaziert.


Die Verhandlungen zwischen Verdi und den Arbeitgebern im Einzelhandel stecken seit langem fest. Beide Seiten werfen einander vor, die Gespräche zu blockieren. In diesem Kontext empfiehlt der Handelsverband HDE den Unternehmen, die Löhne der Beschäftigten vorerst ohne Tarifabschluss zu erhöhen. Die Begründung? Die Aussicht auf eine zeitnahe Lösung des Tarifkonflikts sei nicht in Sicht.


Konkret heißt das, dass Unternehmen, die tarifgebunden sind, ab dem 1. Oktober "freiwillige anrechenbare Vorweganhebungen in Höhe von 5,3 Prozent" auszahlen können. Dieser Betrag bezieht sich auf die tariflichen Löhne, Gehälter und Auszubildendenvergütungen und gilt in allen Tarifgebieten des Einzelhandels. Die Entscheidung darüber, ob diese Empfehlung umgesetzt wird, liegt jedoch im Ermessen der Unternehmen, abhängig von ihrer wirtschaftlichen Situation.


Doch es ist wichtig zu betonen, dass diese "plötzliche Großzügigkeit" der Arbeitgeber keine Lösung für das eigentliche Problem darstellt. Seit Monaten fordert Verdi eine Erhöhung der Stundensätze um einheitlich 2,50 Euro bei einer Laufzeit von 12 Monaten. Die Arbeitgeber hingegen haben unterschiedliche Angebote je nach Bundesland unterbreitet.


Es bleibt abzuwarten, wie viele Unternehmen dem Beispiel der Rewe Group folgen und ihren Beschäftigten die verdiente Anerkennung zukommen lassen. Die Beschäftigten haben monatelang gekämpft, und es ist höchste Zeit, dass ihre Forderungen erfüllt werden. Die plötzliche "Entdeckung" von Wertschätzung sollte nicht über die lange Zeit des Wartens und des Kampfes hinwegtäuschen. Der Tarifkonflikt im Einzelhandel ist noch lange nicht gelöst, und die Kolleg*innen verdienen mehr als leere Versprechungen.

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