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Telefonische Erreichbarkeit von Arbeitnehmer*innen: Rechte und Grenzen


Mann schreit ins Telefon

In der heutigen Arbeitswelt ist es nicht ungewöhnlich, dass Arbeitgeber versuchen, ihre Mitarbeiterinnen auch außerhalb der Arbeitszeiten zu erreichen – oft über private Telefonnummern. Dies wirft wichtige Fragen bezüglich der Privatsphäre und der Rechte der Arbeitnehmerinnen auf.


Privatsphäre vs. Dienstliche Notwendigkeiten

Die Interessen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitgebern stehen hier oft im Widerspruch: Einerseits haben Arbeitnehmerinnen ein Recht auf Schutz ihrer Privatsphäre und Freizeit, andererseits können dienstliche Belange oder Notfälle die Kontaktaufnahme erforderlich machen.


Keine Nutzung ohne Einwilligung

Die Nutzung privater Kontaktdaten wie Mobilfunk- oder Festnetznummern, E-Mail-Adressen oder WhatsApp-Kontakte für Arbeitszwecke ist ohne explizite Einwilligung des Arbeitnehmers nicht erlaubt. Dies gilt selbst dann, wenn die Telefonnummer im Bewerbungsschreiben angegeben wurde. Die Einwilligung zur Nutzung ist dabei zweckgebunden und gilt in der Regel nur für Angelegenheiten, die den Arbeitsvertrag betreffen.


Rufbereitschaft und „Holen aus dem Frei“

In Fällen von Rufbereitschaft dürfen Arbeitgeber ihre Mitarbeiterinnen kontaktieren, vorausgesetzt, es wurden entsprechende Vereinbarungen getroffen. Dies kann entweder durch die Bereitstellung eines Diensttelefons oder durch die freiwillige Angabe einer privaten Telefonnummer geschehen. Für das sogenannte „Holen aus dem Frei“ – also die Kontaktaufnahme zur Abdeckung kurzfristigen Personalbedarfs – ist ebenfalls eine vorherige Einwilligung der Mitarbeiterinnen erforderlich.


Holger Honings Fachkraft für Datenschutz und Datensicherheit
Holger Honings Fachkraft für Datenschutz und Datensicherheit

Rechte und Datenschutz


Das Verbot der Nutzung ohne Einwilligung basiert auf dem Recht der Arbeitnehmerinnen auf Privatsphäre und wird durch die europäische Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) gestärkt. Jeder Arbeitnehmerin hat das Recht, die Nutzung seiner/ihrer privaten Telefonnummer zu untersagen, ohne als unkollegial betrachtet zu werden.


Umgang mit Notfällen

In Notfallsituationen, wie bei der Versorgung von Patienten, Heimbewohnern oder Kunden, liegt die Verantwortung beim Arbeitgeber. Er muss ein System etablieren, das einerseits die Versorgung sicherstellt, andererseits die Rechte der Mitarbeiter*innen wahrt. Ein Personalausfallsystem kann hier eine sichere, aber kostenintensive Lösung sein.


Fazit

Die Balance zwischen dem Recht auf Privatsphäre der Arbeitnehmerinnen und den betrieblichen Erfordernissen ist eine Herausforderung. Es ist wichtig, dass Arbeitgeber die Privatsphäre respektieren und nur in vereinbarten Fällen und Rahmenbedingungen Kontakt aufnehmen. Gleichzeitig sollten Arbeitnehmerinnen ihre Rechte kennen und bei Bedarf die Nutzung ihrer privaten Kontaktdaten untersagen.


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